Putin-Interview im deutschen Fernsehen – zwischen Propaganda und Provokation

Das gestrige Interview mit Wladimir Putin in der Sendung „Jauch“ schlägt hohe Wellen. Die Zeitungen, Leser-Kommentarspalten, sozialen Netzwerke sind voll von teils hitzigen Meinungsäußerungen. War es richtig, dem umstrittenen russischen Präsidenten diese Plattform zu bieten? Oder muss man die Sache vielleicht doch in einen anderen Zusammenhang stellen? Ein Kommentar.
Putin, Interview, ARD, Jauch

Präsident Putin darf seine Meinung sagen – Quelle: Website Tagesschau.de, 17.11.2014

Irgendwann, wenn dieser absurde Bruderkrieg im Donbass vorbei ist, werden – ob sie es heute wollen oder nicht – die wirtschaftlich, kulturell und familiär eng verbundenen Ukrainer und Russen wieder zusammenfinden müssen. Dann werden sie sich auch tieftraurig-verwundert fragen: Wie konnte das passieren? Sie werden feststellen, dass der Kampf um ein bisschen mehr vorübergehende Macht in Richtung der einen oder der anderen Seite es nicht wert waren: nicht das Blutvergießen, nicht die Verblendung und den Hass, nicht die tausenden Toten und hundertausenden Entwurzelten – damals in der Ostukraine, 2014.

An der Absturzstelle der MH17 nahe Hrabove wird ein Denkmal mit Inschriften in den Sprachen Niederländisch, Malaiisch, Englisch, Ukrainisch und Russisch daran erinnern, dass engstirniger, übersteigerter Nationalismus in diesen Zeiten nicht mehr nur eine Angelegenheit zweier Nachbarn ist, sondern alle angeht – auch international. Und dass es vor allem: Unschuldige trifft. Allgemein: Dass wir im Leben bei vielen Entscheidungen eine Mitverantwortung für Mitmenschen tragen.

Auch das Interview vom 16. November 2014 mit dem – dann – ehemaligen russischen Präsidenten Putin wird als Dokument der Zeitgeschichte in anderem Licht besehen werden und das Urteil der Geschichte über ihn gefällt sein.

Doch so, wie es gestern präsentiert wurde – in seiner Wirkung irgendwo zwischen Propaganda und Provokation: Das war fragwürdig und nicht sachdienlich. Oder hat die ARD für nächste Woche bereits eine Gegenveranstaltung mit dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko in der Planung?

Die Geographie kann man nicht belügen: Die Ukraine sollte weder ein russischer Satellitenstaat sein, noch ein auf lange Zeit von hohen Subventionen abhängiger Kostgänger der EU. Wenn gelingt, die Ukraine als stabile Brücke zwischen der EU und Russland neu auf- und auszubauen: Alle würden profitieren. Die noch unterschiedlicheren Länder Frankreich und Deutschland bewiesen nach 1945 was möglich ist, wenn man über den eigenen Schatten springt und Waffen gegen Blumen tauscht.
Möge der sinnlose Krieg in der Ost-Ukraine bald aufhören!

© Michael den Hoet

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