igs 2013: Gartenschau-Besucher im „Reinen Land der Buddhas“. Ein Rückblick

Der folgende Artikel erschien in „Buddhismus Aktuell„, Nr. 1/2014 © Michael den Hoet / Buddhismus Aktuell

Die Internationale Gartenschau 2013 im Süden Hamburgs hatte weniger Besucher als erwartet. Doch die Ausstellung beeindruckte durch interessante Projekte. Bestandteil eines interreligiösen Grünensembles war auch ein buddhistischer Garten, Veranstaltungen inklusive.

HAMBURG – Schulkinder stehen an dem kleinen Becken. Neugierig nehmen einige etwas Wasser in die Hand und lassen es auf die Pflanzenblätter fallen. Das kühle Nass rollt sich zu großen Tropfen zusammen, nimmt dabei Schmutz auf der Oberfläche mit und perlt ab. Die selbstreinigende Wirkung der Blume, die ihre Wurzeln im Morast hat und deren Knospen oberhalb gerade wunderschöne Blüten treiben, ist für die Schüler einer Hamburger Schule nicht nur eine botanische Attraktion. Auch die symbolische Seite des „Lotus-Effekts“ wird erlebbar: Die Wandlung aus dreckigem Schlamm zu Reinheit und Unerschütterlichkeit.

igs2013, Garten der Stille, Buddhismus

‚Garten der Stille‘ auf der Internationalen Gartenschau Hamburg 2013, Blick vom kleinen Lotusteich auf die Buddhastatue

Der Miniatur-Teich mit einem Indischen Lotus war eines der Attribute im buddhistischen „Garten der Stille“ auf der Internationalen Gartenschau 2013, die vom 26. April bis zum 13. Oktober im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg stattfand. Auf 850 Quadratmeter schufen Buddhisten verschiedener Zentren ein „Reines Land der Buddhas“ – so der Untertitel der Grünanlage. Eine lebensgroße Buddha-Statue, ein Meditationspfad, bunte Segensfahnen, die internationale buddhistische Flagge sowie Steine und Tafeln mit Glückssymbolen dienten als Sinnbilder für Frieden, Freiheit und die Entwicklung des Geistes. Eine über 40 Meter lange, geschwungene Wand aus Gabionen – Steinen im Drahtkorb – repräsentierte eine „Mani-Mauer“ mit guten Wünschen für alle Wesen. Ein Holzpodest mit Outdoor-Sitzkissen bot die Möglichkeit für geleitete Meditationen.

Uns war es wichtig, dass sich alle Buddhisten verschiedener Richtungen in dem Garten wiederfinden – auch die vielen, die nicht mit der Gestaltung befasst waren“, meint Garten- und Landschaftsarchitekt Rudolf Hennemann. „Gleichzeitig wollten wir den Besuchern ein klares Bild der grundlegenden buddhistischen Essenz mit den Mitteln der Gartengestaltung und der Kunst näherbringen.“ Hunderte Stunden Arbeit widmete der Angehörige des Teksum Tashi Chöling (TTC) Hamburg dem Projekt: In seinem Büro für aufwändige Planungsskizzen, vor Ort mit Harke oder Werkzeug in der Hand, auf Sitzungen.

Er gehörte zum harten Kern von Hamburger Buddhisten, die den ersten Aufrufen der Gesellschaft für die Internationale Gartenschau (igs 2013) zur Mitarbeit an einem interreligiösen Gartenensemble gefolgt waren. Bereits im Frühjahr 2008 trafen wir in einer ehemaligen Friedhofskapelle auf Projektleiter der igs GmbH und machten Bekanntschaft mit Vertretern anderer Weltreligionen in der Hansestadt. Auf dem angrenzenden Areal, einem längst stillgelegten Friedhof, sollte sie entstehen: die „Welt der Religionen“. Alle paar Monate traf sich die Runde, um Ideen zu sammeln und sich auszutauschen. Die Landschaftsarchitektin Gudrun Lang führte schließlich gekonnt die Einzelplanungen der Religionsgemeinschaften zu einem Gesamtentwurf zusammen. In der Mitte der Anlage: ein runder Brunnen, wo Wasser in Kaskaden aus verschiedenen Richtungen in das Steinbett fließt.

Mit Beginn der Gartenschau hatte sich der Kreis der buddhistischen Teilnehmer auf sieben Vereine vergrößert. Das Diamantweg-Zentrum der Karma Kagyü-Linie stellte 16 Reliefplatten mit goldenem Om Mani Peme Hung-Mantra zur Verfügung, die eigens auf einem Workshop gefertigt worden waren. Hunderte kleine, handbemalte Mani-Steine aus ganz Deutschland kamen dazu. Das sehr engagierte Hamburger Zentrum der Yun Hwa Denomination stiftete farbenfrohe asiatische Lampions, sowie ein Banner mit Kwan Se Um Bo Sal – dem Buddha-Aspekt des liebenden Mitgefühls (Avalokiteshvara) in weiblicher Form. Vertreter des Tibetischen Zentrums betreuten ein Bildungsprogramm zum Buddhismus.

Eine Konzertbühne ermöglichte Veranstaltungen. Gleich für zwei Tage hatten wir eine Vesakhfeier geplant. Ergiebiger Mairegen sorgte für ein eher familiäres Ambiente: Erklärungen, Meditationen und eine Talkrunde fanden in der Kapelle statt. Ein großer Erfolg war das vietnamesische Ahnenfest Anfang September bei bestem Wetter. Die neue Äbtissin der Pagode Bao Quang, Ehrw. Thich Nu Tue Dam Nghiem, leitete eine Ulambana-Zeremonie, die erstmals in Europa in solch öffentlichem Rahmen stattfand. Im buddhistischen Garten lauschten Besucher Vorträgen aus verschiedenen Traditionen und erlebten eine Aufführung des Ein-Personen-Theaterstückes „Milarepa“ mit Peter Woy. Vietnamesische Jugendliche brachten ein mehr als einstündiges Kulturprogramm auf die Bühne. [Siehe auch: Buddhistische Veranstaltungen igs2013]

Insgesamt blieb die igs 2013 hinter den Erwartungen zurück; die Veranstalter schlossen mit Millionendefizit ab. Bei Besucherinterviews bekam die „Welt der Religionen“ aber beste Bewertungen. Das Publikum schien sich im „Reinen Land der Buddhas“ wohlzufühlen. An guten Tagen kamen zuweilen hunderte Besucher pro Stunde in den farbenfrohen Garten. Unsere Ansprechpartner beantworteten viele Fragen – meist grundsätzlicher Art, etwa nach Unterschieden zu anderen Religionen. An den Souvenirständen war die Postkarte mit der großen Buddhastatue unter der deutschen Eiche besonders gefragt. Noch vor Ende der igs 2013 war sie ausverkauft.

http://www.igs-hamburg.de/

http://www.igs-hamburg.de/gartenschau/welt-der-religionen/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: