Buddha statt Gartenzwerg – Wehengarten für werdende Mütter

[Aus: „Buddhismus Heute, Nr. 53/2013, Rubrik „Nachrichten & Hintergründe“] © Michael den Hoet / Buddhismus Heute

Der Buddha im Garten: Auch das mag man als Zeichen dafür werten, dass der Buddhismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. In Deutschland galt lange der Gartenzwerg als das bevorzugte künstlerische Utensil im privaten Grün. Inzwischen, so scheint es, haben Statuen mit dem Abbild des Erhabenen längst Einzug in mitteleuropäische Gärten gehalten – und den Wichtelmann mit Bart und Zipfelmütze verdrängt.

Die Menschen suchen in den schnelllebigen Zeiten einen Ruhepol“, sagt Christian Hartl, der zusammen mit seiner Frau in Niederbayern einen Handel mit hochwertigen Asiatika für Haus und Garten führt. Er beschafft seine Buddha-Statuen in Indonesien, wo die sie vor dem Transport auf Bali in einer Zeremonie geweiht werden. Der Kunde erhält beim Kauf ein Video von der Segnung. Die Katholiken in der Gegend waren zu Beginn seiner Geschäftstätigkeit vor einigen Jahren misstrauisch. Dies hat sich gewandelt. Inzwischen nehmen viele Wallfahrer auf dem Rückweg von Altötting oder dem Geburtshaus von Papst Benedikt XVI. eine Statue mit nach Hause.

Es geht nicht nur um den Stein. Ein Buddha ist eine Herzensangelegenheit“, ergänzt Mitinhaber Thomas Waldmüller. „Die Leute suchen sich bei allem Druck einen Rückzugspunkt. Das ist oft eine Ruheoase im Garten, und da gehört für viele heute ein Buddha dazu.“

Dies gilt seit einigen Monaten auch für die Geburtsabteilung des Krankenhauses in Buchholz in der Nordheide. Dort können sich werdende Mütter unmittelbar vor der Niederkunft in einem „Wehengarten“ entspannen. Einst war die Klinik beim Bau mit einem grünen Innenhof versehenen worden. Doch der war verwahrlost, die Waschbetonplatten als Hintergrund unansehnlich. Die Hebammen kamen auf die Idee, sich von Gartenprofis einen Wohlfühlgarten bauen zu lassen. Mit diesem Anliegen stießen sie auf offene Ohren – insbesondere bei Diplom-Wirtschaftsingenieur Bernd Martens, dem Vorsitzenden der Fördergesellschaft, die das Krankenhaus als gemeinnützige GmbH betreibt. Er spendierte aus seiner eigenen Sammlung eine lebensgroße Buddha-Statue im Borobudur-Stil und andere asiatische Kunstgegenstände. Dank privater Großzügigkeit kamen 50.000 Euro für die Neugestaltung des Areals zusammen.

Das Personal ist von der beruhigenden Wirkung des neuen Gartens sehr angetan. Die hochschwangeren Frauen bewegten sich in den letzten Stunden vor der Geburt ihrer Kinder deutlich mehr als früher und gingen gerne im Wehengarten spazieren. Hebamme Anna-Lena Müller ist aufgefallen, „dass Frauen, die sich frei bewegen können, die Geburt viel leichter fällt“. Sogar über Geburten unter freiem Himmel werde schon nachgedacht. „Wenn es warm genug ist, könnten die Mütter ihr Kind auch in unserem Wehengarten zur Welt bringen“, so die Geburtshelferin.

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