KIKA zelebriert Beschneidung – Zuschauerbrief

„Bald ist es soweit! Aufgeregt und voller Vorfreude blickt der elfjährige Tahsin auf das kommende Ereignis, das ihn und seinen kleinen Bruder Emir endlich zu Männern machen soll: Die Beschneidung. ‚Wenn ich beschnitten bin, dann bin ich ein echter Mann‘ – freut sich Tahsin – obwohl er nicht so genau weiß, was dann eigentlich anders sein wird.“
So macht ‚KIKA – Der Kinderkanal‘ online auf eine Sendung über ein Beschneidungsfest in der Türkei aufmerksam. Den folgenden Zuschauerbrief sandte ich am 20.1.2014 per Mail an die Redaktion von KIKA TV
.

Ich bin entsetzt!
Mit Ihrer Sendung „Schau in meine Welt“-Folge „Thasins Beschneidungsfest“ vom 19.1.14 zelebrieren Sie eine sehr fragwürdige religiöse Zeremonie, die viele – auch ich – schlicht für Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener halten! Kinder behutsam mit kultureller Vielfalt vertraut machen: Das ist richtig – und das darf auch KIKA gerne tun. Aber: Das darf nicht zu Relativismus und Aufweichung unserer Werte führen. Mit dieser Ausstrahlung wollten Sie vielleicht oberflächlich auf die Mitbürger mit orientalischem Kulturhintergrund zugehen. In Wirklichkeit biedern Sie sich an die Falschen an, nämlich: an erzkonservative, religiöse Eiferer, die es eben diesen Menschen mit Migrationshintergrund schwer machen, sich bei uns zu integrieren.

Auch angesichts der „Beschneidungsdebatte“, die von Erwachsenen in Deutschland so kontrovers geführt wurde und mit einem Ergebnis endete, das von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird, hätte ich von Ihnen mehr Sensibilität erwartet. Warum halten Sie sich hier nicht einfach raus?

Macher von Kindersendungen haben eine enorme Verantwortung in der Vermittlung von Werten an die jüngere Generation. Gerade religiös-weltanschauliche Indoktrination von Kindern ist ein furchtbares Phänomen, da diese zu kritischer Reflektion noch nicht in der Lage sind. 20 Jahre später erntet die Welt das Resultat.

Mag Kika vieles richtig machen: Das hier durfte nicht sein! Womit müssen wir als nächstes rechnen: Beiträge über Tieropfer oder Witwenverbrennungen bei fanatischen Hindus? Eine Sendung über Grundschulkinder in den USA, die Schießunterricht nehmen? Ist ja auch ein in gewissen Kreisen selbstverständliches Ritual geworden!

Den Verantwortlichen der Programmplanung empfehle ich einen Offenen Brief des Facharbeitskreises Beschneidungbetroffener im MOGiS e.V. als Pflichtlektüre.

Mit freundlichen, aber fassungslosen Grüßen
Michael den Hoet, Hamburg (Vater)

Siehe dazu auch:
Verlautbarung des Humanisischen Deutschen Pressedienstes hpd vom 16.1.2014
„Beschneidungsgesetz: Ärzte fordern das Aus“, Ärztezeitung online v. 13.12.2013

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