Tiger Woods: Sündiger Buddhist? (Kurzbericht 2011)

[Aus: „Buddhismus Heute“, Nr. 49/2011]

MIAMI – Lange war er die Verkörperung des Amerikanischen Traums: Multitukuturell, strebsam, sportlich, menschlich unkompliziert, erfolgreich. Eldrick, genannt: „Tiger“ Woods gilt als erfolgreichster Golfspieler aller Zeiten. Seine Popularität brachte ihm viele lukrative Werbeverträge ein. Allein im vergangenen Jahr verdiente der heute 35Jährige neunzig Millionen Dollar. Er soll der erste Athlet sein, der durch seinen Sport zum Milliardär wurde.

Doch ein mysteriöser Autounfall im November 2009 änderte alles. Nachts um halb drei rammte die Limousine des Golfstars nacheinander eine Hecke, einen Hydranten und schließlich einen Baum. Tiger Woods kam mit leichteren Verletzungen davon, doch die Medien wollten es genau wissen – erst recht als er auf seiner Website die Schuld für das Malheur einräumte und nebenbei erwähnte, dass eine private Sache damit zu tun habe. Privat? Die öffentliche Neugier war entfacht. Nun kam es scheibchenweise heraus: Ein Ehestreit war dem Unfall vorausgegangen, offenbar wegen übertrieben ausgelebter Männlichkeit. Bald bekannten sich mehr und mehr Frauen zu Affären mit dem Supergolfer. Eine frühere Gespielin wollte gar Nacktfotos veröffentlichen. Tiger Woods‘ Frau Elin packte die Koffer und und flog mit den gemeinsamen Kindern in ihr Heimatland Schweden. Sponsoren kündigten die Zusammenarbeit mit ihrem Werbeträger auf. Der Golfstar legte eine Wettkampfpause ein. Ein prominenter Fernsehkommentator rief ihn auf zum Christentum überzutreten.

Tiger Woods ist Buddhist. Seine Mutter ist gebürtige Thailänderin und erzog ihn im Sinne der Lehre. Doch je erfolgreicher der Sportler Tiger Woods wurde, desto weniger trat der Buddhist Tiger Woods in Erscheinung. Auf einer Pressekonferenz im Februar schließlich holte der Supergolfer zum Befreiungsschlag aus. In einer Ansprache bekannte er sich unumwunden zu seinem Fehlverhalten, entschuldigte sich bei allen, die er enttäuscht habe und gelobte Besserung, weswegen er sich in Therapie begeben habe. Zu seinem Neuanfang gehöre auch seine Rückbesinnung zum Buddhismus: „Ich hörte auf nach den Kernwerten zu leben an die ich gelernt hatte zu glauben“, so Tiger Woods. „Buddhismus lehrt, dass die Begierde auf äußere Dinge eine unglückliche und sinnlose Suche nach Sicherheiten verursacht. Er lehrt mich nicht jedem Impuls zu folgen und Beherrschung zu üben.“ Mittlerweile tritt Tiger Woods wieder bei Profiturnieren an, läuft aber seiner alten Form hinterher. Es heißt, dass seine Frau wieder auf Probe zu ihm zurückgekehrt sei. Aber offiziell weiß es niemand so genau. Denn Tiger Woods schottet nunmehr sein Privatleben hermetisch von der Öffentlichkeit ab.

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[Nachtrag: Kurz nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe der „Buddhismus Heute“ wurde bekannt, dass die Ehe zwischen Tiger Woods und seiner schwedischen Frau Elin geschieden wurde. Zu den Modalitäten der Scheidung wurde Stillschweigen vereinbart.]

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