Vietnam: Statue für den „brennenden Mönch“ (Kurzbericht 2008)

[Aus: „Buddhismus Heute“, Nr. 45/2008] © Michael den Hoet / Buddhismus Heute

HO-CHI-MINH-STADT (früher: SAIGON) – Mit der Errichtung einer 6,3 Meter hohen Bronzestatue soll im Süden Vietnams an den Mönch Thich Quang Duc erinnert werden. Der damals 66Jährige war im Juni 1963 mit seinem Auto von seinem Kloster nahe Hué nach Saigon gefahren, hatte sich auf dem Platz vor der Nationalversammlung mit Benzin übergossen, hingesetzt und dann selbst angezündet. Der US-Amerikaner Malcolm Browne, der zufällig anwesend war, schoss das Pressefoto des Jahres. Das Bild des Buddhisten, der während seines Todeskampfes ruhig in Meditationshaltung verweilte und dessen Herz unverbrannt bleiben sollte, machte die Welt mit einem Schlag auf die Situation in Vietnam aufmerksam. Damals war das Land geteilt: Der Norden war kommunistisch regiert und versuchte den Rest des Landes zu infiltrieren; im Süden regierte der katholische Präsident Ngo Dinh Diem. Seine brutal-autoritäre Herrschaft und die Unterdrückung der Buddhisten brachte die Bevölkerung gegen ihn auf. Die Selbstverbrennung Thich Quang Ducs löste schließlich eine Revolte gegen Präsident Diem aus, der nach einem Militärputsch am 2. November 1963 hingerichtet wurde.

Thich Quang Duc ist bis heute in Vietnam unvergessen. Der blaue Austin, den der Mönch am Ort seiner Tat zurückließ, ist noch heute in seinem ehemaligen Kloster zu besichtigen und gilt als Reliquie. Doch trotz seiner zum Ausdruck gebrachten Selbstlosigkeit, Freiheitsliebe und außergewöhnlichen mentalen Stärke ist die Tat des vietnamesischen Mönchs umstritten. Während des Verbrennens bleibt ein Mensch sehr lange bei Bewusstsein und erlebt dadurch die Schmerzen sehr intensiv. Die qualvolle Selbstverbrennung wurde seit 1963 von nicht wenigen Nachahmern als Form des absoluten Protestes gegen politische Missstände gewählt. Die meisten dieser Selbstmorde erreichten außer Betroffenheit praktisch nichts.

Der Fall des Thich Quang Duc war anders – aber bewirkte er etwas zum Besseren? Die USA, die bis dato Präsident Diem wegen seiner anti-kommunistischen Haltung unterstützt hatte, ließen den Diktator fallen. Da sich die Vereinigten Staaten aber weiterhin einer Ausweitung des Kommunismus in und über Vietnam hinaus energisch widersetzten und immer mehr Soldaten schickten, eskalierte der Konflikt. Es kam zum Vietnamkrieg 1965 bis 1975, der letztlich Millionen Menschen das Leben kostete, mit einer militärischen Blamage der USA endete und zur Wiedervereinigung unter kommunistischen Vorzeichen führte. Funktionäre der heutigen Staatspartei haben dann auch ihre eigene Interpretation des Flammentods von Thich Quang Duc. Anlässlich der Grundsteinlegung für die Statue sprach der Vizebürgermeister von Ho-Chi-Minh-Stadt von der Tat des Mönchs als „dem Symbol der Einheit der Vietnamesischen Buddhisten mit der Nation im Geiste des Dharma, der Nation und des Sozialismus“. Ob Thich Quang Duc, die vom Staat unterdrückte buddhistische Dissidentenbewegung und Exilvietnamesen mit dieser Deutung einverstanden wären?

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: