Mustang: Buddhistisches Königreich in Nepal bekommt Straße (Kurzbericht 2008)

[Aus: „Buddhismus Heute“, Nr. 45/2008, Rubrik „Nachrichten & Hintergründe] © Michael den Hoet / Buddhismus Heute

KATHMANDU / LO MANTHANG – Nepal steht vor großen Veränderungen, melden die Medien: Die Monarchie wird abgeschafft; eine Verfassung gebende Versammlung arbeitet an einer neuen staatsrechtlichen Konstruktion für den Vielvölkerstaat im Himalaja. Doch gänzlich beseitigt ist das Königtum in Nepal nicht: In Mustang, einem autonomen Gebiet mehrere hundert Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu, gibt es weiterhin einen Monarchen. In der von mehreren Bergrücken eingeschlossenen Region mit einigen tausend Bewohnern tibetischstämmiger Herkunft gibt seit 1450 eine Königsdynastie. Daran änderte auch die Eingliederung in den Staat Nepal vor gut 200 Jahren nichts. Der heutige Landesvater heißt Jigme Palbar Bista. Gleichwohl steht auch Mustang vor großen Veränderungen: Das Land erhält eine Straße.

In der alten Festungsstadt Lo Manthang, etwa drei Dutzend kleinen Siedlungen entlang des Flusses Kali Gandaki und den buddhistischen Klöstern der Sakya-Linie läuft das Leben gemächlich ab. Haupttransportmittel sind Pferde, Esel und die eigenen Füße. Kontrollierter Trekking-Tourismus hat der kulturellen Identität bislang nichts anhaben können. Der Preis der Abschottung: Mustang ist rückständig, die karge Landwirtschaft kann die Bevölkerung nur leidlich ernähren, im Winter zieht es gut die Hälfte der Bevölkerung auf der Suche nach Erwerbsmöglichkeiten in südlichere Teile Nepals. Früher stand Mustang in regem Warenaustausch mit Tibet. Die chinesische Invasion des nördlichen Nachbarn von 1950 bedeutete einen herben Rückschlag für das Mini-Königreich.

Inzwischen ist der Handel mit Tibetern und Chinesen wieder in Gang gekommen, nicht zuletzt aufgrund eines nunmehr zwanzig Kilometer langen befestigten Fahrweges zwischen der Grenze und Lo Manthang. Bis 2009 soll eine im Bau befindliche, 460 km lange Straße nach Nepal hinein führen. Bewohner des Landstrichs erhoffen sich eine bessere medizinische Versorgung und einen wirtschaftlichen Aufschwung. Viele von ihnen befürchten aber auch negative Auswirkungen für Umwelt, die traditionelle Kultur und scheuen – schlicht und ergreifend – den Lärm, den der zu erwartende Durchgangsverkehr zwischen Tibet, Nepal und Indien mit sich bringen dürfte.

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