Meditation im Klassenzimmer (Kurzbericht 2007)

[Aus: „Buddhismus Heute“, Nr. 44/2007, Rubrik „Nachrichten & Hintergründe] © Michael den Hoet / Buddhismus Heute

OAKLAND (KALIFORNIEN) – Es ist auf den ersten Blick eine Schule, an der nicht jeder unbedingt gerne Lehrer sein würde: Keine vornehme Gegend, viele Kinder aus sozial nicht gerade privilegierten Familien, von denen einige bis vor kurzem als hyperaktiv galten. Doch in der fünften Klasse der Piedmont Avenue Grundschule fängt der Unterricht zwei Mal wöchentlich mit einer für Pädagogen kaum vorstellbaren Ruhe an. Eine Tibetische Klangschale eröffnet die Stunde, die Kids schließen die Augen, sie versuchen sich auf ihren Atem einzustellen und sich „liebende Güte“ vorzustellen. Im Klassenraum herrscht Stille.

Die Schule mit einem Anteil mit einem Anteil von 65% Farbigen, 18% „Latinos“ (Migranten aus Mittel- und Südamerika) und vielen Zuwandererkindern gehört zu einer Auswahl von Lehranstalten, die sich an einer Versuchsreihe beteiligen. Dort versucht man mit einem Meditationstraining die Unterrichtssituation zu verbessern. Die ersten Resultate sind außerordentlich positiv: Aufmerksamkeit, Ausgeglichenheit sowie die Schulleistungen der Schülerinnen und Schüler haben sich merklich verbessert. Das Programm orientiert sich an einer Methode, die von dem Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn entwickelt wurde und die bereits seit Jahren mit Erfolg in US-amerikanischen Krankenhäusern angewandt wird – insbesondere bei Schmerzpatienten und Menschen mit psychischen Problemen. Das Anti-Stress-Achtsamkeitstraining beruht auf einer vereinfachten Form von buddhistischer Meditation. Mit Unterstützung des psychologischen Instituts an der Elite-Uni Stanford und des ‘Mindfulness Awareness Research Centers’ an der Universität Los Angeles gehen speziell geschulte Trainer mehrmals wöchentlich in ausgesuchte Schulen und dokumentieren die Ergebnisse.

Eltern und Lehrer sagen ihren Kids hundert Mal am Tag, dass sie acht geben sollen. Aber wie sie das machen sollen, bringen wir ihnen nie bei“, sagt Phillipe A. Goldin, einer der Forscher, die an der Studie beteiligt waren. Mrs. Steel, Klassenlehrerin an der Piedmont Avenue Grundschule merkt an: „Amerikanische Kinder sind im Alltag überstimuliert. Einige schaffen es kaum ihre Augen zu schließen.“ Nicht alle hätten es geschafft eine Viertelstunde lang völlig ruhig zu bleiben. „Das Vorhaben ist fein. Aber das Training der Achtsamkeit allein reicht noch nicht.“

Einen Artikel aus der ‚New York Times’ zu dieser Studie ist im Internet in englischer Sprache nachzulesen unter der URL: http://www.buddhistchannel.tv/index.php?id=7,4331,0,0,1,0

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