Burjatien: Ein Lamakörper, der nicht verwest (Kurzbericht 2005)

[Aus: „Buddhismus Heute, Nr. 39/2005, Rubrik „Nachrichten & Hintergründe“] © Michael den Hoet / Buddhismus Heute

ULAN UDE / MOSKAU – Es war im Jahre 1927, als das damalige Oberhaupt der burjatischen Buddhisten, der Hambo Lama Dasha Dordsche Itigjelow verkündete, dass sein Leben zu Ende ginge. Der damals 75jährige bat seine Schüler in dreißig Jahren nach seinem Leichnam zu schauen. Dann setzte er sich in Meditationshaltung und starb.

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Lama Itigjelow zu Lebzeiten

Wenige Jahre danach erreichte die Verfolgung der religiösen Institutionen in der Sowjetunion unter Stalin auch in Burjatien, der buddhistische Republik nördlich der Mongolei, ihren Höhepunkt. Die buddhistischen Tempel wurden geschlossen und schließlich zerstört, Lamas verhaftet und ermordet. Als man 1955 die Kiste mit dem in Seide gehüllten Leichnam Itigjelows öffnete, war dieser zum Erstaunen der Anwesenden fast unversehrt. Der immer noch im Lotussitz befindliche Körper des früheren Hambo Lamas wurde in einem mit Salz gefüllten Holzsarg erneut begraben. 1973 wurde dieser Vorgang wiederholt. Lama Damba Ajuschejew, Zeitzeuge und heute einer der ranghöchsten Lamas Russlands dazu: „Es war damals unmöglich, ihn zurück ins Kloster zu bringen. Niemand durfte über das Gesehene sprechen“.

Ende 2002 schließlich wurde der wundersame Verstorbene zum Gesprächsstoff in ganz Burjatien. Erneut exhumierte man ihn – und fand wieder keine Anzeichen für Verwesung. Die Knochen waren nicht mumifiziert, dafür waren die Haut weich, die Hände beweglich, die Augen geschlossen. Der Leichnam wurde in das Kloster Ivolginsk gebracht. Mehrmals war er seitdem in einer Art Prozession der Öffentlichkeit gezeigt worden. Auf wiederholtes Drängen der Lamas untersuchten vor kurzem Wissenschaftler in Moskau Itigjelows Körper. Die Resultate waren verblüffend: Die Eiweißbestandteile des Körpergewebes entsprachen ihrem Zustand nach dem eines Lebenden, das Blut war gel-artig, Spuren von Einbalsamierung konnten nicht festgestellt werden, eine Mumifizierung hatte nicht stattgefunden. „Für dieses Phänomen hat die Wissenschaft keine Erklärung“, räumte Viktor Sywagin ein, ein führender Experte in forensicher Medizin. Burjatische Buddhisten hingegen führen das Wunder auf die hohe Verwirklichung von Lama Itigjelow zurück.

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Der Leichnam des 1927 verstorbenen Hambo Lama Itigjelow zieht viele buddhistische Pilger an

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